Eine mail-o-dramatische Erscheinung: Der Disclaimer

So angenehm und praktisch können Bestellungen im Internet sein: Artikel auswählen, Bestellung abschicken, fertig. Dann noch schnell ein Abstecher in die Mailbox, der Blick fällt auf die Bestätigung meines Einkaufs: Vielen Dank – wir werden sofort liefern  – freundliche Grüße. Ja, so angenehm – doch halt, da steht noch etwas! Sogar richtig viel Text, zumindest im Vergleich zu den netten zwei Zeilen oben. Und es geht auch ordentlich zur Sache: vor Virenbefall, Manipulationen, unbefugter Kenntnisnahme, Weiterleitung und deren etwaigenFolgen wird gewarnt. Man schließt aus, distanziert sich, droht – mit einem Wort: man prügelt vorbeugend ordentlich auf mich ein. Schade. Gerade noch hatte ich mich über das freundliche „Vielen Dank“ gefreut. Und jetzt …?

 

Mit diesem Textungetüm bekommen nette Kundenbriefe jedenfalls einen faden juristischen Beigeschmack. Und: Stellen Sie sich so etwas unter einem Liebesbrief vor. „Für die Übertragung von etwaigen Viren übernehme ich keine Haftung, Schatzi.“ Als Privatmensch muten wir das niemandem zu. Warum tut man es als Business-Mensch?

 

Die Frage ist richtig gestellt, denn auch Juristen sind sich keinesfalls einig, ob diese Bedrohungs-Orgien etwas bringen. Im angloamerikanischen Raum, wo viel Geld mit – für europäische Verhältnisse absurden – Klagen verdient wird, hat so ein Haftungs-Ausschluss vielleicht eine Bedeutung. In Österreich aber brüllt hier ein Papier-Tiger, den man ignorieren kann – wenn man sich traut. Oft bleibt beim Empfänger wider besseren Wissens so ein kleiner Rest an Unsicherheit.

 

Mir geht da immer wie folgt: Sie dürfen diese Kolumne nur lesen, wenn Sie das periodische Druckwerk, dem diese Kolumne innewohnt, rechtmäßig erworben oder von einer dritten Person, die dieses rechtmäßig erworben hat, leihweise bekommen haben oder von einer dritten Person, die dazu hinreichend befugt ist, ein Nutzungsrecht daran eingeräumt erhalten haben. Falls keiner der beiden hier angeführten Fälle zutrifft, ist der Inhalt des eben Gelesenen UNVERZÜGLICH aus dem Gedächtnis zu streichen.